Wie übt man als Yoga-Anfänger?

By 7. Juli 2017lese-ecke

Die Frage lässt sich aus meiner Erfahrung heraus so beantworten: weniger ist mehr, denn Yoga ist kein Fitnessprogramm, das die Binikifigur in 3 Tagen verspricht. Schaut man über den Mattenrand hinaus, stellt man fest, dass Yoga ein Lebensweg ist, auf den man sich einlassen kann, aber nicht muss.

Aber bleiben wir auf der Matte. Man ist hoch motiviert, muss „mal wieder was tun“, hat die letzten Jahre aber mehr die Computermaus als sich selbst bewegt. Deshalb ist es sehr klug, dem Körper Zeit zu geben, sich wieder an Bewegung zu gewöhnen. Nicht selten ist das Gefühl für den Körper verlorengegangen und man muss erst wieder entdecken, dass wir nicht nur aus „Kopf“ bestehen, sondern dass die komischen kleinen Dinger an den Füßen (genannt Zehen) auch zu uns gehören und sich auch bewegen lassen.

Sie finden das jetzt merkwürdig? Dann stellen Sie sich barfuß hin und versuchen mal nur die beiden großen Zehen von der Matte zu heben, die 8 kleinen aber auf dem Boden zu lassen. Und dann die 8 kleinen Zehen zu heben und die beiden großen auf der Matte zu fixieren. Sollte das nicht gehen, kommen Sie in eine Yogastunde.

Viele wollen schnell Ergebnisse sehen, setzen sich selbst enorm unter Druck und sind frustiert, weil der herabschauende Hund auf dem Foto in der Zeitschrift ganz anders aussah. Gestreckte Beine, Fersen auf dem Boden, gerader Rücken. Es sah irgendwie leicht und selbstverständlich aus.

Yoga braucht Zeit. Es ist wichtiger, den Sinn einer Asana zu begreifen, als die Bewegung perfekt auszuüben. Selbst so einfache Übungen wie der Katzenbuckel können eine Herausforderung sein, wenn die Wirbelsäule eingerostet ist.

Wann üben? Das ist Geschmackssache. Ich persönlich mag es, aus dem Bett auf meine Yogamatte zu fallen und mich dann 15 Minuten zu dehnen. Morgens ist der Geist noch nicht von den Dingen des Tages überfrachtet, ich bin ganz bei mir und bei der Übung. Für Yoga am Abend bin ich oft zu müde, weil meine Arbeitstage lang sind. Da schaffe ich meist nur noch eine meiner Lieblingsübungen „Supta-Baddha-Konasana“. Heißt übersetzt: mit angewinktelten Beinen liegen. Wie das aussieht? Einfach googeln. 

Wie lange übt man? Mal kürzer, mal länger. Je nachdem, wie der Tag aussieht. Geht man in eine Yogastunde, dauert diese in der Regel 75-90 90 Minuten. Das ist für Anfänger durchaus sportlich, zumal große Studios in der Regel keine wirklichen Anfängerstunden anbieten und Anfänger häufig überfordert sind. Ich übe mit Anfängern höchstens 60 Minuten und davon brauchen wir 10-15 Minuten für Entspannung und Theorie.

Beim „wie“ üben muss man vielleicht noch sagen, dass es zwar schön ist, wenn man seine Lieblingsübungen macht. Will man vorankommen, muss man aus der Komfortzone heraus. Dann muss man sich auch mal anstrengen, schwitzen und eine intensive Dehnung spüren. Im richtigen Maß findet unser Körper, also wir, das super, weil wir für Bewegung gemacht sind und nicht fürs Starren auf das Display eines Smartphone.