Im Wellnesshotel – gestreichelt, nicht massiert…

By 20. Februar 2017lese-ecke

Ein Wochenende in einem Wellnesshotel. Nichts tun, sich verwöhnen lassen und eine Massage genießen. Man stöbert im SPA-Menü, findet Wohlfühlmassagen, Aromamassagen, Heilmassagen, klassische Massagen und und und…Man freut sich und bucht. 

Vorweg die Antwort auf eine Frage, die mir oft gestellt wird: gibt es wirklich so viele verschiedene Massagen? Nein, meist ist nur das „drumherum“ immer ein bisschen anders. Anderes Öl, anderer Tee, mit/ohne Fußbad, mit Kräuterstempeln. Als Massagetechnik verbirgt sich hinter vielen Wellnessmassagen die klassische Massage. Je nachdem, was der Mitarbeiter noch gelernt hat, auch mal die hawaiianische Lomi Lomi, die ayurvedische Abhyanga oder ein paar Faszientechniken. Wenn Sie Ihren Rücken „richtig“ massiert haben möchten, dann ist die klassische Massage zu empfehlen. 

Ich habe mich schon in vielen Hotels massieren lassen. In Asien war es mir manchmal etwas zu rustikal, bei uns oft zu sanft. Und die Sanftheit hat nicht zu meiner Entspannung beigetragen, im Gegenteil. Ich war genervt und verärgert. Vor allem, wenn meiner Bitte kräftiger zu massieren, nicht nachgekommen wurde.

Warum gibt es in Hotel-SPAs häufig Streicheleien? Das hat mehrere Gründe. Es wird viel Geld fürs Interior ausgeben, an den Personalkosten aber häufig gespart. Und so werden sehr oft Kosmetikerinnen eingestellt, die sowohl die Beautybehandlungen als auch die Massagen machen. Kosmetikerinnen wollen mit zarten Händen das Gesicht verwöhnen, sie wollen und können selten gut und kräftig massieren. 

Dazu kommt der Zeitplan. Oft bleiben zwischen zwei Terminen nicht mehr als 10-15 Minuten Zeit. In dieser Zeit muss der Massageraum für den nächsten Gast vorbereitet werden, ein Schluck getrunken, ein Happen gegessen und zur Toilette gegangen werden. Solche Arbeitspläne sind nicht wirklich mitarbeiterfreundlich und die Gehälter/Honorare nicht wirklich üppig. Aber, das ist in der Branche bekannt und jeder weiß auch worauf er sich einlässt, wenn er in einem SPA arbeitet. Daher ist es nicht akzeptabel, wenn es die Gäste ausbaden müssen. Zumal die Massagepreise in den Hotels eher sehr gehobenes Niveau haben.

Mal ganz abgesehen von Streicheleinheiten. Der für mich wichtigste Grund, warum man als Gast oft enttäuscht ist: man fühlt sich nicht als Mensch, sondern als der 16-Uhr-Termin aus Zimmer 10. Auch wenn das Gehalt nicht üppig und die Arbeitsbedingungen nicht optimal sind, muss man als Masseur den Gast so behandeln, wie man selbst behandelt und angefasst werden möchte. Massagen sind Energiearbeit und als Gast spürt man, wenn der Masseur (m/w) gedanklich nicht bei der Sache ist.

Ich bin nur ganz wenigen Masseuren begegnet, bei denen ich mich wirklich wohl und gut aufgehoben gefühlt habe. Richtig toll finde ich, wenn man mir das Gefühl gibt, ich wäre die einzige Kundin, auf die man schon den ganzen Tag gewartet hat und die Welt dreht sich in der nächsten Stunde nur um mich. Der innerliche rote Teppich….

Als Masseurin habe ich folgende Tipps für Sie:

Wenn Sie Streicheleinheiten vermeiden möchten, fragen Sie nach einer klassischen Massage und am besten nach einem medizinischen Masseur. Sagen Sie bereits bei der Buchung ganz präzise was Sie möchten. Beispielsweise eine Rückenmassage mit Fokus auf den Schulter-Nacken-Bereich. Sagen Sie auch bereits bei der Buchung was Sie nicht möchten. Viel Öl, extrem parfümiertes Öl oder oder oder. Sagen Sie dem Masseur während der Massage, wenn sich etwas nicht gut anfühlt, Sie nicht bequem liegen, Ihnen kalt oder zu warm ist, die Intensität der Massage zu schwach/stark ist.

Empfinden Sie einen Massagegriff als besonders angenehm, bitten Sie den Masseur, diesen zu wiederholen. Mein Opa hat immer gesagt: „wer zahlt schafft an“. Sie zahlen für die Massage, also dürfen Sie auch sagen was Sie möchten oder nicht möchten.

Wird auf Ihre Wünsche nicht eingegangen, brechen Sie die Massage ab und geben der SPA-Leitung ein entsprechend faires Feedback. Die Massage sollte Ihnen dann auch nicht berechnet werden.

Außer den Infos, die der Masseur braucht, sollten Sie während der Massage nicht sprechen. Ein Gespräch bringt den Masseur aus der Konzentration und Sie um eine tiefe Entspannung. War die Massage gut, geben Sie ein angemessenes Trinkgeld, denn wie gesagt, Masseure sind nicht überbezahlt. 

Übrigens: SPAs können Dinge nur verbessern, wenn sie auch wissen, das es etwas zu verbessern gibt. Das Schlimmste ist, wenn Gäste nichts sagen. Sie verweigern dem Hotel damit die Chance auf Ihre Unzufriedenheit noch während Ihres Aufenthalts zu reagieren.